Letzten Samstag traf ich Mirko* beim Einsatz als Pizzakurier. Von weit her rief er mich. Er strahlte. Wir kamen kurz ins Gespräch. Mirko absolviert das letzte Lehrjahr als Logistiker. Daneben bessert er sich seinen Lohn am Wochenende als Pizzakurier auf. Der junge Mann ist sehr ehrgeizig. Dem war aber nicht immer so. Wer Mirko vor ein paar Jahren getroffen hätte, wäre nie auf Gedanken gekommen, dass er einmal so weit kommen würde. Im Gegenteil: Mirko hängte mit seinen Kollegen herum, wirkte «abgelöscht». Das 10. Schuljahr hatte er abgebrochen. Nichts interessierte ihn. Einzig der Besuch des offenen Jugendtreffs Gleis 1B in Oberwinterthur gehörte noch zu seinem «Programm».

Vertrauen aufbauen

Eines Tages wandte sich der Jugendliche an das Team und tat seinen Unmut kund: Nichts habe mehr einen Sinn. Er sei ja so oder so weg vom Fenster. Er könne nur noch zum Sozialamt gehen. In den darauf folgenden Gesprächen entstand zusehends Vertrauen. Es zeigte sich langsam ein Weg aus der Aussichtslosigkeit. Bald wurde die Berufswahl zum Thema.

Bewerbungscoaching im Jugendzentrum

Das kirchliche Jugendzentrum Gleis 1B bietet im beschränkten Rahmen Dienstleistungen für Bewerbungen an. Die Suche nach dem geeigneten Beruf ist dabei zentral. Dabei spielt wiederum die Frage nach der eigenen Identität eine wichtige Rolle. Wer über seine eigenen Interessen, Talente und Fähigkeiten Bescheid weiss, hat gute Voraussetzungen, den richtigen Beruf zu finden. Ist dann einmal eine Wahl getroffen worden, braucht man einen geeigneten Lehrplatz. Hier sollte ebenfalls einiges stimmen, wie zum Beispiel die «Chemie» zwischen Mitarbeitenden und dem Lehrstellensuchenden, das allgemeine Betriebsklima, der Arbeitsweg etc. Darum ist es von Vorteil, wenn sich die Bewerberin oder Bewerber bei Unternehmen meldet, wo zuerst eine Schnupperlehre gemacht werden kann. In der Bewerbung sollte schliesslich darauf geachtet werden, dass sie persönlich formuliert ist, also auch Interessen und Motivation der Lehrstellensuchenden miteinbezogen sind.

Einsatz, der sich lohnt

Mirko hatte Glück. Mit seiner persönlichen und ehrlichen Bewerbung fand er schneller eine Lehrstelle als erwartet. Sein Aufwand und der Einsatz des Jugendtreffteams hatten sich gelohnt. Das Coaching des Jugendtreffs Gleis 1B ist in diesem Zusammenhang nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten (Jump, Jumpina, Caritas, BIZ, etc.) zu verstehen. Vielmehr ist es eine Ergänzung für diejenigen, die  in einem eher schwierigen Umfeld leben und oft auch Mühe bekunden, eine offizielle Stelle aufzusuchen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Wer gewinnen will, muss investieren. Die kirchliche Jugendarbeit investiert bewusst in den Menschen, damit dieser eine längerfristige Perspektive für sein Leben aufbauen kann. Dazu bedarf es einer intensiven und individuellen Betreuung der Betroffenen. Das Individuum zu stärken, ist eine der erfolgreichsten Strategien,  um gesellschaftliche Probleme zu lösen. Mit «Hilfe zur Selbsthilfe» sollen sich emanzipierte, authentische und (selbst-)verantwortliche Persönlichkeiten entwickeln können, die anschliessend keiner weiteren professionellen Unterstützung mehr bedürfen. Im Fall von Mirko hat die kirchliche Jugendarbeit das erreicht.

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