Paradise beach with palm trees on white sand

«Informiert beten – betend handeln» – so heisst jedes Jahr am ersten Freitag im März das Motto des Weltgebetstags, der grössten ökumenischen Basisbewegung von Frauen. In rund 170 Ländern führen Frauen (und vereinzelte Männer) an eben diesem Weltgebetstag, heuer am 6. März 2015, einen Gottesdienst durch, der von einem Team des jeweiligen Weltgebetslandes vorbereitet wurde. Informationen zum Land und eine Kollekte zugunsten einzelner Projekte runden den Solidaritätstag ab. In Winterthur  hat der Weltgebetstag Tradition.

Mehr als Meer und Traumstrände

Dieses Jahr stehen die Bahamas  im Zentrum des Weltgebetstags: Aus der Tourismuswerbung ist der Inselstaat zwischen den USA, Kuba und Haiti als luxuriöse Feriendestination mit Traumstränden bekannt. Die Bahamas sind ein vergleichsweise reiches karibisches Land. Aber die 700 Inseln haben auch mit Problemen zu kämpfen: Extreme Abhängigkeit vom Ausland, Arbeitslosigkeit und weit verbreitete sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder sind einige der Schattenseiten des Tropenparadieses.
Bahamaische Frauen haben diese Probleme, aber auch ihren Stolz auf die Naturschönheiten ihrer Heimat in einen bunten und lebendigen Gottesdienst einfliessen lassen. Diese Liturgie, so das Konzept des Weltgebetstags, wird in den anderen Ländern gefeiert, bewusst auch mit typischen Elementen des jeweiligen Weltgebetslandes. Wenn weltweit – und auch in Winterthur – am 6. März der Weltgebetstag begangen wird, rücken die Feiernden über Landes- und Konfessionsgrenzen zusammen, sind in Gedanken und mit ihrer Spende solidarisch.
Marlis Gisler, Kirchenpflegemitglied in der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Winterthur und langjährige Engagierte für den Weltgebetstag verspricht sich vom diesjährigen Weltgebetstag wieder eine interessante Begegnung mit Menschen einer anderen Kultur und einen Akt gelebter Solidarität.

Frau Gisler, Sie besuchen jedes Jahr einen Vorbereitungstag, an dem Sie sich mit der Liturgie un dem Weltgebetsland auseinandersetzen. Dann gestalten Sie die Feier in Ihrer Pfarrei mit und nehmen am Nachbearbeitungsanlass teil. Was motiviert Sie persönlich, sich für den Weltgebetstag zu engagieren?
Mich interessieren Menschen aus fremden Kulturen und mit anderen Konfessionen, sei es in anderen Ländern oder in der Schweiz. Ich engagiere mich auch hier in Winterthur für Jugendliche, die Hilfe brauchen bei der Lehrstellensuche, und komme so oft in Kontakt mit Menschen, die aus anderen Ländern kommen, lerne ihre Sichtweisen, ihre Probleme, auch ihre Stärken kennen. Am Weltgebetstag geschieht dieser solidarische Austausch weltweit, konfessionsübergreifend und konzertiert an einem Tag  – dass das gelingt, fasziniert mich.

Was löst der Weltgebetstag denn aus?
Durch den Weltgebetstag begegnen sich verschiedene konfessionelle Gruppierungen oft zum ersten Mal, im Weltgebetsland beim Erarbeiten der Liturgie, aber auch in den umsetzenden Ländern bei der Gestaltung der Anlässe. In diesem Sinn fördert der Weltgebetstag den Brückenschlag zwischen Konfessionen und Kulturen. Auch hier in Winterthur ist die Zusammenarbeit zwischen Reformierten, Katholischen und der Heilsarmee ein gutes Erlebnis. Dazu kommen die Informationen über die Bahamas in diesem Jahr, die das Verständnis für andere Lebensrealitäten fördern, und schliesslich die Kollekte, von der zehn Prozent in bahamaische Projekte fliessen.

Was für Projekte werden unterstützt?
Aufklärungskampagnen zur Bekämpfung von familiärer und sexueller Gewalt für Jugendliche und junge Erwachsene auf den Bahamas, ein Kinderclub, in dem Kinder Aufgabenhilfe und Betreuung bekommen, ein Rehabilitierungsprojekt für junge Frauen, die straffällig wurden, und weitere Projekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und ihren Familien. Die ausgewählten Projekte erhalten für die Dauer eines Jahres finanzielle Unterstützung. Die restliche Kollekte geht – nach Abzug der Verwaltungskosten – an langjährige Projekte für Frauen in Afrika, Asien, Lateinamerika und im  Pazifischen Raum.

Was findet in Herz Jesu-Mattenbach am Weltgebetstag, dem 6. März 2015, statt?
Um 14.30 Uhr feiern wir in der Kirche Herz Jesu die Liturgie unter dem Titel: «Begreift ihr, was ich an euch getan habe?» Dies ist die Frage, die Jesus seinen Jüngern stellt, nachdem er ihnen, zu ihrem grossen Erstaunen und Befremden, die Füsse gewaschen hat (Joh 13,1-17). Die Antwort der Bahamaerinnen, die sich wie ein roter Faden durch die Liturgie zieht, lautet darauf: «Radikale Liebe». Diese ermöglicht die Umkehr von Hierarchien und lenkt unseren Blick auf Menschen, die am untersten Rand der Gesellschaft leben.
Vor der liturgischen Feier stelle ich zudem die Bahamas vor. Das beginnt mit der Landeshymne und weiterer landestypischen Musik, dann informiere ich über Land und Leute, Fauna und Flora, weise auf die gesellschaftlichen Probleme hin und zeige speziell die Situation der Frauen auf den Bahamas.
Anschliessend findet ein kleiner bahamaisch angehauchter Imbiss statt.

Weltgebetstag, 6. März 2015, Aktivitäten in Winterthur:

Katholische Kirche  Herz Jesu, Unterer Deutweg 89, 8400 Winterthur: Feier um 14.30 Uhr, danach Apéro.

Katholische Kirche St. Laurentius, Wülflingerstrasse 181, 8408 Winterthur: Ökumenischer Gottesdienst um 19.30 Uhr. Danach gemütliches Beisammensein im Pfarreiheim mit kulinarischen Kostproben.

Reformierte Kirche Töss, Gutenbergstrasse, 8400 Winterthur: Gottesdienst um 14.30 Uhr, anschliessend Kaffee und Kuchen.

Katholische Kirche St. Marien, Römerstrasse 105, 8404 Winterthur: Feier um 19.30 Uhr, anschliessend verkauft der Dorflade Oberi-bio&fair Produkte aus fairem Handel.

Katholische Kirche St. Urban, Seenerstrasse 193, 8405 Winterthur: Gottesdienst um 16.00 Uhr und um 19.30 Uhr.

Katholische Kirche St. Ulrich, Seuzacherstrasse 1, 8400 Winterthur: Gottesdienst um 19 Uhr.

Reformierte Stadtkirche, Kirchplatz, 8400 Winterthur: Gottesdienst um 19.00 Uhr.

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