Für “das Glück” geben sie alles her, das fällt mir nicht erst seit gestern auf. Sie: Das sind die Vertreter und Vertreterinnen der Leistungsgesellschaft. Die Metapher dafür sind vielfältig und heissen Wohlstand, Jugendwahn, berechtigte Altersvorsorge, Förderung von Minderheiten, Schulschwächeren, Tempo, Ausgrenzung und Überforderung.

DIE ZIELE erfüllen! Zuerst einmal Ziele haben!

Das Lied „The Winner takes it all“ (ABBA) ist nicht neu, ebensowenig der Matthäus-Effekt, eine These der Soziologie und bezeichnet ein Prinzip, bei dem Erfolge mehr durch frühere Errungenschaften als durch gegenwärtige Leistungen erzielt werden. Erfolge rufen demnach immer neue Erfolge hervor. “Kleine Anfangsvorteile zwischen Akteuren können dadurch im Zeitverlauf zu extremen „Winner-take-all“-Strukturen heranwachsen, bei denen eine sehr kleine Anzahl den Hauptteil aller Erfolge auf sich vereint, während die Mehrheit erfolglos bleibt” (Wikipedia) – oder einfacher gesagt:
„Wer hat, dem wird gegeben werden“.

Neueren Datums ist der Hit von Tim Benzko „Will nur noch kurz die Welt retten“ – zwischen dem Mail checken. Die “apochalüptische Müslüm Tour 2015” rettet mit. Die NZZ bezeichnet ihn als bravourösen Kanarienvogel, der Jung und Älter begeistern kann, weil er „im Grund“ Schweizer sei. Seine Musik ist „Süpervitamin“ und sympathisch, so auch das durchmischte Publikum.

Pro Infirmis thematisiert Perfektion, Migros stellt Talent Management und soziale Verantwortung in Grossunternehmen vor. Begleitung und Beratung in vulnerablen menschlichen Entwicklungsphasen mit besonderen Belastungen (sozial, schulisch, beruflich) sind wichtig. Die psychischen Belastungen, die in den letzten 10 Jahren zugenommen haben, zeigen sich auch am Arbeitsplatz. Burnout und Entschleunigung, Achtsamkeit sind hoch im Kurs. Die Leistungsgesellschaft fordert Erfolgsmenschen, produziert TrittbrettfahrerInnen und VerliererInnen. Jugendliche kennen den Looser und Winner-Typ, schon in der Schule. Der Wissenschaftler und Psychologe Niklas Baer, Leiter der Fachstelle für psychiatrische Rehabilitation in Liestal, skizziert die problematische Entwicklung, dass immer mehr junge Erwachsene IV-Renten erhalten. Dies wirft dringende politische Fragen auf.

Eine weitere Schlagzeile titelte die NZZ in einem Artikel vom 6. Februar: Die Abgründe der Wettbewerbsgesellschaft: Der Erfolgsmensch startet in den Tag, indem er sich aufpumpt. Mit Adrenalin. Mit Ego. Eigenblutdoping.
Bescheidenheit und Stille sind nicht erlaubt. Erfolg als das Mass aller Dinge, er bedrängt äusserlich und veformt innerlich. Vielleicht tun wir gut daran, statt Achtsamkeit die Wachsamkeit zu pflegen, die Tendenzen wahrzunehmen, zu benennen und gemeinsam dagegen zu stemmen. Einige erinnern sich vielleicht n an die ersten Stemmbogen im Schnee. Wer immer wieder dagegen stemmt in der Kurve, bleibt drin und wird geschickter. Das Tempo darf später selber gewählt werden –mit umso grösserer Rücksicht auf die Anderen, die gemächlicher sind bei der Abfahrt. Alle können ankommen und Freude an den Spuren im Schnee erleben.

Jung und schon IV? Die interdisziplinäre Fachtagung Jugend und Arbeit will eine aktuelle Tendenz beleuchten, die mit psychischen Beeinträchtigungen und gesellschaftlichen Leistungsanforderungen gekoppelt ist.

Fachtagung “Jugend und Arbeit”: Jung und schon IV? am 19. März in Zürich
www.jugendseelsorge.ch
Anmeldeschluss am 27. Februar – NachzüglerInnen mailto: therese.zweifel@jugendseelsorge.ch

Therese Zweifel Rossi
Psychologin und Dipl. Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin

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