Wir sind schon ja meistens auf dem Sprung, machen Sätze und Sprünge in alle Richtungen. Vielleicht kann ich mit meinen Ausführungen den einen oder die andere animieren, für sich den «Ruhe-stand» zu entdecken und damit nicht bis zur Pensionierung zu warten.

Der Stress mit dem Ruhestand

Das scheint nämlich ein neuralgischer Punkt zu sein. Alle wünschen sich (wenigstens zeitweise) mehr Ruhe, kommen aber nur schwer dazu oder entfliehen dem Gewünschten meist schnell wieder. Eigentlich müsste da die gesetzlich vorgeschriebene Versetzung in den Ruhestand die Chance sein. Doch die Realität lehrt uns etwas anderes und der übliche Gruss unter Pensionierten spricht Bände: «Hoi, kai Zit!»

Da (aber nicht erst da) setzt mein Plädoyer für eine Neuentdeckung des Ruhe-standes an. Gerade unsere Welt und Zeit braucht sie, Menschen, die aus einem neuen Stand heraus, aus dem «Ruhe-stand», reden und handeln, denken und politisieren, träumen und agieren. Warum diese Reserven und Ängste vor dem «Ruhe-stand»? Es geht ja nicht darum, sich endgültig zur Ruhe zu setzen, sondern aus einem neuen Stand heraus zu leben und einzustehen für das Leben.

Das Alphabet des Lebens

Es ist dies ein Aufruf an alle Pensionierten: Lebt es uns vor, dass es geht und dass das Alphabet des Lebens nicht beim Buchstaben A wie Arbeit aufhört!
Es ist dies auch ein Aufruf an alle im berufstätigen Alter: Entdeckt die Langsamkeit und habt weniger Angst vor einem Loch im Terminkalender. Eine gesunde Balance im Leben ist nicht eine Frage des Portemonnaies und teurer Wellnessweekends. All das lässt sich gratis im Alltag einbauen.

Die Kraft des Müssiggangs

In diesem Punkt dürfen wir ruhig dem Reformator Martin Luther etwas widersprechen, der meinte: «Müssiggang sei des Teufels Ruhebank.» Da wussten es die alten Griechen noch besser, die überzeugt waren, dass «die Musse die Schwester der Freiheit ist». – Wie recht sie hatten! Allerdings (und das ist ein nicht unerhebliches Problem!) sind Musse und Ruhe nicht käuflich. Die müssen ganz persönlich gesucht werden – aber es lohnt sich.
Übrigens: Kennen Sie jene Volksweisheit, die heute weniger geläufig ist, aber dadurch nicht weniger wahr wird: «Nur die Ruhe kann es bringen»? Eine spezielle Formulierung – was soll denn die Ruhe bringen? Vielleicht gerade das, was wir oft so ruhelos suchen: Glück, Frieden, Kraft und Freude.

Stefan Staubli ist Pfarrer in der katholischen Pfarrei St. Peter und Paul.

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