Beim letzten Abendmahl hat Jesus zwei Zeichen gesetzt, an die wir uns am hohen Donnerstag erinnern: das Abendmahl mit Brot und Wein und die Fusswaschung als Zeichen des Dienens. Beide Zeichen verbindet Jesus mit einem Auftrag. Der Auftrag so zu handeln wie Jesus bei der Fusswaschung ist klar und deutlich: Tut es mir gleich, macht es so wie ich.
Das, was er zum Abendmahl sagt, ist weniger eindeutig: Tut dies zu meinem Gedächtnis, das ist mein Leib, das ist mein Blut, brecht Brot und trinkt Wein, nehmet alle davon und denkt dabei an mich.

Was will Jesus uns mit dem Abendmahl sagen, zeigen, oder besser schenken?
Ich denke, es geht ihm darum, ein zu tiefst menschliches Bedürfnis zu stillen!
Im Lukasevangelium gibt es beim letzten Abendmahl eine Szene, die mich auf die Spur bringt: Die Jünger geraten in Streit, wer von ihnen der Grösste ist. Was steckt hinter der Frage, wer ist der Grösste? An wen ist sie gerichtet?

Dahinter verbirgt sich das Gefühl, in allem, was ich tue und in dem, wie ich wirklich bin übersehen, vielmehr nicht wahrgenommen zu werden. Diese Erfahrung ist sehr belastend und kann schwerwiegende Folgen haben.
Gekränkte Menschen, die das Gefühl haben nicht gesehen zu werden und nicht zu genügen, sie gehen ein, so wie Blumen, die kein Wasser bekommen.
Kinder fangen an, um die Liebe und Anerkennung der Eltern zu buhlen. Das Gefühl, gegenüber Geschwistern benachteiligt worden zu sein, lässt einen ein Leben lang nicht los. Selbst wenn der Verstand sagt, es war nicht so.

Vor einigen Jahren bekam ich einen Button geschenkt, auf dem steht: „Jesus loves you“ und darunter, „but I’m his favourite!“
„Jesus liebt Dich, aber ich bin sein Liebling!“ Ich finde, dieser Button passt zu jedem Menschen und formuliert das, was das Abendmahl für mich ausdrückt: Jesus liebt die Menschen und lädt alle zum Abendmahl ein. Zu jedem, der dieser Einladung folgt, sagt er: „Du bist mein Liebling!“
Ich habe den Button auf meinem Schreibtisch liegen, denn es tut gut, diese Worte ab und zu wieder zu lesen. Jesus möchte, dass alle Menschen so einen Button tragen, damit jeder sagen kann: Ich bin Jesus Liebling.

Mit dem letzten Abendmahl sagt Jesus: Ich sehe Dich. Dieses Gesehen werden, das Jesus uns in Brot und Wein verspricht, sind keine drohenden Worte. Im Gegenteil, es heisst: Ich sehe Dich in Deinem Sein. Du brauchst Dich nicht zu verstellen, denn ich weiss wer Du bist, wie Du bist, was in Dir steckt und viel mehr. Er nimmt uns an und macht uns zum Liebling.
Dieses Gesehen werden können wir nur mit dem Wort „Liebe“ beschreiben. Es sind Momente der Liebe, in denen ich mich anerkannt und angenommen fühle.

Jesus möchte uns das Gefühl schenken, wahrgenommen zu werden, dabei zu sein. Dieses Gefühl gibt Mut und Kraft.

Ich weiss nicht, ob dies theologisch richtig oder eher Selbsttäuschung ist. Ich weiss nur, dass es gut tut zu wissen: Ich bin sein Liebling. Ob der eines Menschen oder der von Gott. Diese Erfahrung wünsche ich uns allen, nicht nur am hohen Donnerstag.

Beitrag von Marcus Scholten, Gemeindeleiter der Pfarrei St. Ulrich Rosenberg

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