Fröhlichkeit oder gar eine Art von der Leichtigkeit des Seins kamen in mir kürzlich auf, als ich durch den Flohmarkt in der frühlingshaften Winterthurer Altstadt schlenderte. Die Sonne schien und die vielen Marktbesucher freuten sich an der ausgelegten Ware, dazwischen wuselten Kinder umher, verzaubert von all den Spielsachen die für wenig Geld zu haben wären.

Da, wie ein Blitz aus heiterem Himmel höre ich einen Schrei des Entsetzens, suchend drehe ich mich um und blicke eine Sekunde lang in die vor Panik und Schreck  aufgerissenen Augen einer jungen Frau, sie trägt ein Kopftuch und ist dunkel gekleidet. Ich begreife, dass sie wohl ihr Kind verloren hat, sie weint laut, voller Verzweiflung und stammelt in ihrer Sprache Wörter, die in so einem Moment wohl von allen verstanden werden.

Ende gut
Schnell bemühen sich einige Marktbesucher um die junge Frau und schon organisieren sich welche, um das kleine Mädchen, um das es sich handelt, und das wie vom Erdboden verschluckt scheint, zu suchen. Da kommt aber schon, zur allgemeinen Erleichterung die Marktaufsicht mit einem kleinen schwarzlockigen Mädchen daher. Es stürzt sich in die Arme seiner Mutter, wo es schnell sein Lächeln wieder findet. Wir, als hilflose, aber teilnahmsvolle Zuschauerinnen und Zuschauer sind natürlich erleichtert und froh, dass diese kleine, heftige Episode auf dem Flohmarkt ein so schnelles und gutes Ende genommen hat.

Nach einer kurzen, herzlichen Verabschiedung gehen wir erleichtert unserer Wege. Mir aber bleiben die aufgerissenen Augen, voller Panik und Schrecken, der Mutter unvergesslich, denn einen Sekundenbruchteil lang habe ich die Augen Tausender Mütter gesehen, die mit ihren Kindern, ihren Familien auf der Flucht sind, auf der Flucht vor Panik und Schrecken. Ein Bild, das mich nicht so leicht loslässt.

 

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