Am Dienstag, 5. Mai, hat der Winterthurer Jugendregionalseelsorger Oliver Sittel im Vatikan offiziell seinen soeben erschienenen Fotoband über die Päpstliche Schweizergarde dem neuen Kommandanten Christoph Graf überreicht. Der Theologe Oliver Sittel beschäftigt sich seit Jahren mit der Garde – und mit Fotografie. Das Werk vermittelt einen unmittelbaren Zugang zu einer für viele faszinierenden Welt.

Der 41-jährige Oliver Sittel hatte als Jugendlicher einen Traum: Er wollte Mitglied der Päpstlichen Schweizergarde in Rom werden. Seit er in seiner Kindheit Bilder der Gardisten in ihren farbigen Uniformen und mit Hellebarde ausgerüstet gesehen hatte, war für ihn klar: Das will ich auch.

Zuerst kein Hereinkommen
Doch der Pfarrer seiner Heimatpfarrei Mariä Himmelfahrt/Obermoschel in der Pfalz musste ihn enttäuschen. In der Schweizergarde können nur Schweizer dienen. Oliver Sittel nahm es zur Kenntnis. Er ging seinen Weg weiter, das hiess Theologiestudium, Engagement in Pfarrei und Jugendarbeit. Die Garde behielt er im Kopf.
Vor zehn Jahren zog der Deutsche in die Schweiz und wurde 2007 Jugendseelsorger in Winterthur. Bei verschiedenen Begegnungen kam Sittel auch in der Schweiz immer wieder mit Mitgliedern der Garde oder Ex-Gardisten ins Gespräch. «Warum machst du nicht ein Buch über uns?», setzt ihm einmal einer einen Floh ins Ohr. – Und da hockte dieser Floh, bis sich Oliver Sittel daran machte, einen Herausgeber für dieses Unterfangen zu finden, den er mit dem Theologischen Verlag Zürich (TVZ) fand.
Auf Reisen hatte Sittel die Ewige Stadt schon kennengelernt. Als passionierter Fotograf hat er dabei selbstverständlich Gardisten fotografiert und gesehen, dass die Hellebardiere an den Eingängen zum Vatikan das Fotosujet zahlreicher Touristen sind. Dann bewarb er sich um eine Akkreditierung bei der Garde als Fotograf für ein Buch, das in seinem Kopf langsam Gestalt annahm – und erhielt eine Zusage. Und damit erfüllte sich ein Vierteljahrhundert nach der ernüchternden Erkenntnis, nicht in der Schweizergarde dienen zu können, doch noch der Wunsch, diese besondere Welt kennenzulernen.
Bilder, die Geschichten erzählen

Alltag der Schweizergarde dokumentiert
Entstanden ist eine sehr ansprechende Fotodokumentation. Es ist keine bebilderte Geschichte der Garde. Das Buch kommt beinahe ohne Text aus. «Meine Bilder sollen Geschichten erzählten», sagt Sittel. Die kurzen Bildlegenden zu den Fotos unterstreichen diese Haltung. Die Leser, oder vielmehr die Betrachter, können und sollen Worte zu den Bildern selber anfügen.
Oliver Sittel hatte die Möglichkeit, in die innersten Räume der Schweizergarde zu treten und den Alltag der Gardisten zu dokumentieren. Er hat dies mit Respekt vor einer Institution gemacht, die sowohl für den Vatikan wie für die Schweiz ein Aushängeschild erster Klasse ist. Dabei hat der fotografierende Theologe auch ein Element der katholischen Kirche dokumentiert: Denn die Garde ist dort, wo der Papst ist. So gibt Sittel den Blick frei auf innervatikanisches Geschehen aus ungewohnter Optik: der der Garde, die für die Sicherheit des Papstes, nicht für Fragen von Theologie zuständig ist.
Die grosszügige und solide Gestaltung durch den TVZ macht die Publikation zu einem Augenschmaus, mit dem sich nicht nur Verehrer der Schweizergarde gerne verweilen werden. Dass die Texte im Buch sowohl auf Deutsch wie auf Englisch gehalten sind, erweitert den Leserkreis um ein Vielfaches.

Text zur Verfügung gestellt von kath.ch, Martin Spilker

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