Meditation ist ein Weg. Er führt mittels Stille und Wachsein in jenen inneren Raum, der zumeist durch Automatismen, Alltagshektik und emotionalen Wellengang zugedeckt bleibt. Eine Annäherung.

Bombardement der Sinne
Menschen auf der Strasse. Vorbeisausende Autos. Hintergrundgeräusche. Sonnenstrahlen im Gesicht. Bilder und Redefluss aus dem Fernsehen, Meldungen aus dem Radio. Regen, Kälte. Essen im Mund. Musik. Gerüche. Begegnungen, Gespräche. E-Mails und Info-Fetzen am Computer, SMS und noch mehr Infos auf dem Smartphone. Bücher, Hefte, Zeitungen. Reklamen. Von morgens früh bis zum Schlafengehen. Wir werden, meist ohne uns dessen bewusst zu sein, permanent von Sinneseindrücken bombardiert. Unser Hirn filtert nach Leibeskräften und ist doch immer wieder überfordert. Wir kommen mit dem Verdauen nicht nach. Kein Wunder, sind wir so oft erschöpft.
Stellen Sie sich nun vor, dies ändert sich radikal. Statt eine wirre Vielzahl kommen eine bestimmte Zeit lang gar keine Sinneseindrücke mehr von aussen. In einer stillen Umgebung sitzen wir mit geschlossen Augen, entspannt und doch hellwach, einfach da. So beginnt Meditation.

Die Horde wilder Affen
Kehrt nun selige Ruhe ein? Kaum. Denn sobald der Lärm von aussen wegfällt, macht sich der innere bemerkbar. Wie eine Horde wilder Affen (ein uralter Vergleich) springen unsere Gedanken in allen Richtungen umher. Dazu kommt das Auf-und-Ab der Emotionen. Der Körper meldet sich. Es ist wie ein Non-Stopp-Film, der statt aussen nun innen abläuft. Wie lässt sich damit umgehen?

Im Kino nach hinten sitzen
Ich sitze im Kino ganz vorne, in der ersten Reihe. Das Geschehen auf der Leinwand schwappt wie eine Riesenwelle über mich, ich kann mich ihm nicht entziehen. Der Film – das sind meine Überlegungen, Erinnerungen, Fantasien, Wutanfälle, Freuden, Ängste, Triebe, Sehnsüchte …. Und nun mache ich einen bewussten Schritt. Ich nütze den Raum, den ich zuvor kaum wahrgenommen habe, und begebe mich im Kinosaal ganz nach hinten. Vorne läuft noch immer derselbe Film. Aber ich habe nun eine gewisse Distanz gewonnen. Ich kann nach rechts und links blicken und feststellen, dass es noch mehr gibt als das, was auf der Leinwand abläuft.
Ähnliches geschieht in der Meditation. Der innerer Raum wird allmählich weiter und wir erfahren: Was sich auf der Bühne unseres (inneren) Lebens abspielt und uns meist völlig in seinem Bann gefangen hält, ist nicht das, was wir im Wesentlichen sind. Wir erfahren Momente des Friedens und der Klarheit, denen der Lebensstrudel nichts anhaben kann.


Wohlwollen entspannt

Meditation ist nicht kompliziert. In der am weitesten verbreiteten Form sitzen wir – auf einem Stuhl, Bänkchen oder Kissen – mit aufrechtem Rücken, damit der Atem frei fliessen kann. Um nicht augenblicklich vom Gedankenstrom weggerissen zu werden, konzentrieren wir uns auf diesen Atemfluss. Bald melden sich die Gedanken, Bilder und Gefühle wieder. Wir nehmen sie wahr, springen aber nicht auf, sondern kehren sanft zum Atem zurück. Immer wieder. Mit Wohlwollen, denn Wohlwollen entspannt.

Widerstände gehören dazu
Innere Widerstände werden sich unweigerlich melden: „Ich verschwende meine Zeit.“ „Es ist langweilig.“ „Das ist nichts für mich.“ Derartige Proteste und Fluchtversuche gehören dazu, schliesslich lassen sich tief eingeprägte Alltags-Automatismen nicht einfach so stilllegen. Also betrachten wir auch sie mit Akzeptanz, aus der Distanz des inneren Beobachters. Widerstände gehen so vorüber. Wir haben einen Hauch von etwas Tieferem, Friedlicherem, Echterem zu spüren bekommen, und diese Erfahrung treibt uns weiter. Sie sagt uns: Dranbleiben lohnt sich. Es ist ähnlich wie beim Fitnesstraining: Wer nach zweimal Joggen vor allem auf den Muskelkater achtet, wird wohl das Joggen aufgeben. Wer sich aber die positiven Momente vor Augen hält und weiter übt, dessen Fitnessgrad wird sich unweigerlich verbessern. Wille und Disziplin sind unser Beitrag. Der Rest ist Geschenk.

Achtsam Zähne putzen
Meditatives Üben lässt sich auch im Alltag praktizieren. Wenn Sie das nächste Mal abwaschen oder Kaffee machen oder sich die Zähne putzen, führen Sie jede einzelne Handbewegung aufmerksam durch. Vollständige Aufmerksamkeit bringt automatisch eine Verlangsamung mit sich, diese wiederum eine spürbare physische und psychische Entspannung. Somit ist Achtsamkeit das beste Schutzmittel gegen Hast, Zerstreutheit und Stress. Probieren Sie es einfach aus. Wenn Sie Ihr Handy, Ihre Brille oder Ihre Schlüssel jedesmal langsam und konzentriert ablegen, entfällt künftig manch nervenaufreibendes Suchen. Das Einüben von Achtsamkeit führt mit Sicherheit zu einem Anstieg der Lebensqualität. Es kann sogar Spass machen.

Stille als Muttersprache Gottes
Meditation ist langfristig ausgerichtet. Es geht darum, sich für einen Wandel zu öffnen und an diesem Wandel auch mitzuarbeiten. Ein Wandel hin zu mehr Achtsamkeit im Alltag, tieferer Selbstkenntnis sowie einem unvoreingenommeneren und wohlwollenderen Herz. Man lernt dabei, der Stille zu vertrauen. Sie hat etwas Lebendiges; ist weit mehr, als bloss die Abwesenheit von Geräusch. Stille, sagte einmal ein weiser Mann, ist die Muttersprache Gottes. Und dieser öffnen wir uns.

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