Der Innenraum der Kirche wird durch ein Meer von Kerzen erhellt. Ein anderthalb Meter grosses Kreuz steht vorn im Zentrum. Etwa 250 Jugendliche und Erwachsene sind gekommen, manche Besucher sitzen auf dem Boden. Minutenlang werden Lieder wiederholt, die oft nur aus zwei Zeilen bestehen. Eine stimmungsvolle Atmosphäre, ein Gebet, das kein Wellness-Angebot ist. Teilnehmende sagen darüber, dass es für sie eine Meditation sei, dass es sie bereichere. Besonders die Stille, die man an der Nacht der Lichter erfahren kann, ist für viele unvergleichlich. Man finde so etwas in keinen anderen Gebeten oder Gottesdiensten. Anderthalb Stunden singen, beten, schweigen woran die Besucher Freude haben und sich wohlfühlen.

Achtsamer Umgang als Grundlage der Demokratie
Aber für die Brüder aus Taizé dient dies nicht nur dem persönlichen Wohlbefinden. Einer sagte mir mal dazu: „Taizé, dieses kleine Dorf in Burgund, wo wir Brüder leben, ist einer der wenigen Orte, wo Völker miteinander schweigen. Und es ist ungeheuer nötig für Gesellschaften, dass sie immer wieder zur Ruhe finden. Jeder Mensch, der Macht ausüben will, möchte andere Menschen nervös machen und beängstigen, um sie von sich abhängig zu machen. Und da können wir sagen, nein, wir sind Menschen, die die Stille aushalten. Es ist schon wichtig aufeinander achtsam zu sein, gleich welcher Konfession oder Religion man ist oder welche politische Meinung man hat. Nur so kann eine Demokratie lebendig bleiben. Alles andere verhärtet und bricht.“

Traditionelle Nacht der Lichter
Entstanden sind die Nächte der Lichter, die in ganz Europa vorbereitet und durchgeführt werden, schon vor Jahrzehnten als Vorbereitung auf das jeweils zur Jahreswende stattfindende Europäische Jugendtreffen von Taizé in einer europäischen Grossstadt. In Winterthur und auch in Zürich findet die Nacht der Lichter seit 2007, als das Europäische Jugendtreffen in Genf war, immer zu Beginn des Novembers statt, bei uns in der reformierten Stadtkirche in der Altstadt. Es gab zwar auch schon in der Fabrikkirche und in der Pfarrei St. Urban die Nacht der Lichter, aber die Stadtkirche ist wegen ihrer zentralen Lage der am besten geeignete Ort.

Oliver Sittel ist regionaler Jugendseelsorger der Katholischen Kirche in Winterthur.

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